carlier | gebauer

Richard Mosse

Exhibitions at carlier | gebauer

News

Biography

Texts

Publications

Richard Mosse

DISPLACED
Fondazione MAST & Corraini Edizioni, 2021
ISBN: 9788894369823


CLICK HERE TO ORDER

Richard Mosse

The Castle
Mack, 2018 
ISBN: 978-1-912339-18-1

 

CLICK HERE TO ORDER

Richard Mosse 

Incoming
Mack, 2017 
ISBN: 978-1-910164-77-8 

 

CLICK HERE TO ORDER

Richard Mosse 

Richard Mosse
The Curve, Barbican Center, 2017 
ISBN: 978-0-9957082-0-4


CLICK HERE TO ORDER

Markus Woeller, "Spektral aktiv", Welt am Sonntag, October 2021 

 

Der Fotograf Richard Mosse hat sich mit Bildern von der ökologischen Katastrophe in Brasilien zur Zielscheibe gemacht. Jetzt zeigt er sie in Berlin.

Nicht nur Umwelt- schützer müssen in Brasilien auf der Hut sein. Auch der irische Fotograf Richard Mosse, obwohl er sich selbst nicht als.Aktivist bezeichnen würde. Er ist bildender Künstler. In der Berliner Galerie Carlier Gebauer zeigt er jetzt die Ausstellung „Broken Spectre" - und deutet auf einen kleinen Punkt auf dem Luftbild ,,Alumina Refinery, Para" (2.020), ein paar dunkle Pixel auf helle- rem Grund: ,,Dasteht mein Auto."

Der Wagen parkte auf einer Lichtung im Mündungsgebiets des Amazonas. Von da ging Mosse in den Regenwald, um seine Drohne zu starten und ein Areal von vielen Hektar Größe zu fotografieren. "Doch ich wurde entdeckt", sagt er. Dann sei er nur noch geranntund entkam. Nicht allen ist das gelungen. Ganz in der Nähe wurden 2020 zwei Umweltschützer ermordet, erzählt er. "Immer häufiger werden sie Ziele."


Am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag sind 2021drei Klagen gegen den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro eingegangen. Dem Rechtspopulisten werden „Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vorgeworfen. Die erste Klage wurde im Januar wegen der Verfolgungindigener Volker und der Zerstörung ihrer Wohngebiete erhoben. Im Sommer folgte Klagezwei wegen unterlassener Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung des 213-Millionen-Einwohner-Staats in der Corona-Pandemie. Am vergangenen Dienstag reichten Klimaschützer die dritte Klage ein, wegen der Abholzung des Amazonas Regenwalds.

Bolsonaro sei für die Vernichtung von 4000 Quadratkilometer Regenwald pro Jahr verantwortlich, so die Organisation Allrise. Die Abholzungsrate sei seit Amtsantritt um 88 Prozent gestiegen. Bolsonaro schwäche systematisch Gesetze und behördliche Kontrollen. Dieses Handeln erfülle die Definition von Menschenrechtsverbrechen. Denn die brasilianische Regierung treibe nicht nur die „vorsätzliche Zerstörung der Umwelt" voran, so Allrise-Gründer Johannes Wesemann, sondern auch „ihrer Verteidiger“. 

Bolsonaro geht ohne Rücksicht gegen seine Gegner vor. Und Richard Mosse ist einer von ihnen. Obwohl man dem pink und rot eingefärbten Bild auf den ersten Blick nicht ansehen kann, warum es seinen Schöpfer zur Zielscheibe macht. Tatsächlich zeigt es den Baggersee einer Aluminiummine, deren Schwermetallbelastung die Natur zerstört und bei Arbeitern Krebs erzeugt. Mosses Fotos und Filme betören durch ihre Farbigkeit, durch grelle Kontraste. Er fotografiert mit drohnengesteuerten Infrarot- kameras, arbeitet mit Filmmaterial für verschiedene Wellenlängen, mit fürs Militär entwickelten Farbumkehrfilmen.

Eine schrille Farbe machte Mosse bekannt: Wer 2013den irischen Pavil- lon auf der Biennale von Venedig be- suchte, dem hat sich dieses Pink in die Netzhaut gebrannt. In „The Enclave" strahlte die grüne Natur rosarot, die Szenerie wirkte wie aus einem Science-Fiction-Film, doch Mosse filmte die Realität: den Bürgerkrieg im Kongo, die humanitäre Katastrophe mit Tausenden Toten.

Auch die neuen Bilder verbergen ihr Sujet - die Abholzung, die Ausbeutung der Bodenschätze, die Drangsalierung der Eingeborenen - zunächst hinter un- gewöhnlichem Kolorit. Daten aus der Spektralfotografie hat Mosse am Computer zu Falschfarbenkarten zusam- mengesetzt. Mit dieser Technik markiert er, wo der Regenwald austrocknet, wo Schwelbrände im Wurzelwerk wü- ten. Er macht deutlich, wie die Agrarindustrie brandrodet. Er stellt leuchtend bunt dar, wie Monokulturen von Ölpalmen den Urwald verdrängen, wie die „Zivilisation" indigenen Dörfern nahe rückt, wie übernutzt das fragile Ökosystem im so unzugänglich erscheinenden Amazonasbecken ist.

Er wolle den „Horror nicht in Geschenkpapier verpacken", sagt Richard Mosse, wenn man ihn fragt, ob er die Probleme nicht überästhetisiere. Vielmehr mache er sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt. Und neugierig, wovor viele die Augen verschließen. Mosse ist wohl doch beides: Als Aktivist sammelt er valides Datenmaterial, und als Künstler erschafft er Bilder, die aufrütteln, die man aber auch als Kunstwerk genießen kann. (Die Großformate, Diptychen und Triptychen in einer Auflagev on fünf kosten 35.000 bis 85.000, Schwarz-Weiß- Fotos um 20.000 Dollar.)