Paul Pfeiffer

Arbeiten

The Saints | Hamburger Bahnhof Berlin

Wir freuen uns sehr, Sie auf den Beginn von Paul Pfeiffers Einzelausstellung "The Saints" am Samstag, den 10. Oktober 2009, in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof Museum für Gegenwart - Berlin hinweisen zu können.

In "The Saints" wird erstmalig die gleichnamige, 2007 von Artangel (London) produzierte Arbeit durch die Unterstützung der Outset Foundation in Berlin als Teil der Sammlung der Nationalgalerie präsentiert. In diesem Zusammenhang stellt Paul Pfeiffer mit Kuratorin Britta Schmitz und Initiator Udo Kittelmann noch zwei weitere Arbeiten im Hamburger Bahnhof vor. Die Videoarbeit "Empire" von 2004 und die neue, für die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Sammlung Goetz, München produzierte Skulptur "Vitruvian Figure" (2009).

In der raumgreifenden Installation "The Saints" setzt Pfeiffer die Erinnerung an einen heute legendären Moment nationalisierter, europäischer Massenkultur als Raum aus Sound und Bildfragmenten neu zusammen. Den Ausgangspunkt der Arbeit bildet das FIFA Endspiel von 1966, in welchem die englische die Mannschaft der BRD in der Verlängerung 4:2 besiegte.

Der große Ausstellungsraum, den die Besucher von "The Saints" (2007) betreten, wird dominiert vom Sound, von neu geschnittenen Originalaufnahmen der damaligen Fußballgesänge, in die sich eine zunächst unidentifizierbare Irritation mischt. Hier zeigt nur ein kleiner LCD Monitor dokumentarische Aufnahmen des Spiels in schwarzweiß, aus dem jedoch alle bis auf einen Spieler entfernt wurden. Einzig Geoffrey Hurst, der Torschütze, läuft unbeirrt, einem nicht erkennbaren Ziel folgend, das Spielfeld auf und ab. Die Jubelgesänge erschließen sich erst beim Betreten eines abgeschirmten Raumteiles, in welchem nebeneinander zwei große Videoprojektionen laufen: zum einen dokumentarische Aufnahmen der jubelnden Menge, zum anderen solche einer Gruppe philippinischer Männer, die den Sound der damaligen Fans imitieren. In ihrem Akzent und der Loslösung ihrer Aktionen von dem nunmehr vierzig Jahre zurückliegenden Geschehen lassen sie die frenetische Anrufung von Gemeinschaftsgefühl, die in den nationalen Fußballgesängen immer präsent bleibt, in der Absurdität einer subalternen Spiegelung erscheinen.

"Empire" (2004) nimmt dieses unwillkürliche Unbehagen, dass aus der stetigen Verschiebung zwischen individueller und kollektiver Identität und Handlung liegt, auf einer ganz anderen Ebene wieder auf. Wo sich "The Saints" dem Spektakel zuwendet, konzentriert sich "Empire" auf die Wiederholung einer 'Vergesellschaftung' in ihrer naturalisierten Form. In einer Laufzeit von dreieinhalb Monaten zeigt das Video den Bau eines Wespennestes, an dem unzählbare Tiere fortgesetzt arbeiten. "Empire" entzerrt durch seine Konzentration auf den zeitlichen Aspekt eines sonst dokumentarisch meist gerafften Phänomens das Gemeinschaftswerk soweit, dass es individuell nicht mehr geschlossen erfahrbar ist.  

Paul Pfeiffers neueste Arbeit "Vitruvian Figure" (2009) konzentriert sich auf einen dritten Aspekt des Zusammenspiels von Masse und Individuum: auf den Raum. Wo die raumgreifende Installation von "The Saints" über den Sound die Konzentration der Betrachter lenkt, und die Videoprojektion "Empire" die zeitliche Wahrnehmbarkeit des Prozesses in Frage stellt, konstruiert die aus Holz, Glas und poliertem Metall zusammengesetzte Skulptur "Vitruvian Figure" den räumlichen Aspekt der Vergemeinschaftung. Das in Holz produzierte Modell eines Viertels des heutigen Wembley Stadions wird durch einen Winkel aus Spionglas so komplettiert, dass der Besucher mit seinem Blick eine panoptische Totale kreiert. Der von innen aus einer glatten, den Betrachter überragenden Glasfläche bestehende Winkel erhöht noch durch an seiner Außenseite angebrachte polierte Stahlträger die Panzerhaftigkeit der Skulptur.

Mit der Ausstellung "The Saints" zeigt Paul Pfeiffer in Berlin seine weitreichende künstlerische Auseinandersetzung mit den politischen Implikationen von massenkultureller Erfahrung, die innerhalb von nur drei Werken die Frage nach der Konstruktion des Individuums systematisch vorstellt.

Die Galerie carlier | gebauer freut sich sehr, in Zusammenarbeit mit der Sammlung Goetz, München und mixedmedia, Berlin die Arbeit "Vitruvian Figure" (2009) vorstellen zu können und dankt Udo Kittelmann und dem Hamburger Bahnhof für die Konzeption dieser Ausstellung. Die Ausstellung ist mit freundlicher Unterstützung der Asien-Pazifik-Wochen realisiert worden.

Laufzeit: 10. Oktober 2009 - 28. März 2010.
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