Mark Wallinger
Presseinformation
26 October - 18 December 2004, Tuesday – Saturday, 11 a.m - 6 p.m
Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass die zweite Einzelausstellung von Mark Wallinger in unserer Galerie bis zum 18.12.2004 verlängert wird.
Mark Wallinger gehört zu den wichtigsten englischen Künstlern unserer Zeit. Sein subtiler Beitrag zum Milleniumswechsel in London mit “Ecce Homo”, einer lebensgroßen Christusstatue auf einem Sockel am Trafalgar Square, seine sensationelle Ausstellung in der Whitechapel Gallery, die 2001 dem Turner Prize die Besucher abspenstig machte und die Ausrichtung des Britischen Pavillons auf der Biennale 2001 in Venedig haben Mark Wallinger international vielfältige und kritische Reputation verschafft.
Wallinger´s Performance “Sleeper” in den Räumen der Mies´schen Neuen Nationalgalerie in Berlin hat im Oktober 2004 große lokale Aufmerksamkeit erfahren.
carlier | gebauer zeigt noch bis 18.12.2004 zwei aktuelle Arbeiten Wallingers. Er verbindet bei beiden Arbeiten ein hochentwickeltes, subtiles Konzept mit tiefer poetischer und emotionaler Wirkung.
“What time is the Station leaving the Train” ist ein Einstein-Zitat und der Titel einer Videodoppelprojektion, die 2004 in Berlin entstanden ist. Die Projektionen laufen synchron an einer hauchdünnen Naht nebeneinander ab, und zeigen die gegenläufigen Aufnahmen einer S-Bahnfahrt über die Berliner Ringbahn. Der linke Film zeigt die Fahrt mit einem statischen Blick aus dem linken Fenster, bei dem rechten Film verhält es sich entsprechend umgekehrt. Beide Projektionsflächen haben einen gemalten schwarzen Punkt, einen Fluchtpunkt in ihrer optischen Mitte. Die Projektionen entspringen aus der kaum sichtbaren Naht und fließen synchron mit der Fahrt der S-Bahn auseinander oder verlangsamen sich. Wallinger verwendet ein mathematisches Zufallssystem und lässt dabei wie beiläufig hochkomplexe, korrelierende Bilder entstehen, die auf prosaische und sehr poetische Weise die Entwicklungsgeschichte der Kunst nachvollziehen.
“The Underworld” heißt die zweite Installation Wallingers bei carlier | gebauer. 21 umgedrehte Monitore zeigen in einem Kreisrund das Requiem von Guiseppe Verdi, in einer Aufführung von Claudio Abbado und von der BBC 1982 aufgezeichnet. Das Requiem ist in 21 Nummern unterteilt, die auf je einem Monitor als Loop laufen. Der gleichzeitige Start der einzelnen Stücke erzeugt eine Kakophonie, einen höllischen Sound der jedoch seinen Ursprung in Verdi´s Erlösungswerk hat. Von den umgedrehten Monitoren geht ein Sog zur Raummitte hin aus, eine Gravität, die den ganzen Raum auf das Kreisrund zusammenzieht. Der Fernsehschnitt spiegelt sich auf dem Betonboden wieder und suggeriert einen Zugang zu einer Zwischenwelt, die sich scheinbar chaotisch aus dem Material der BBC-Aufzeichnung zusammensetzt und inhaltlich und emotional eine entgegengesetzte Bedeutung annimmt. „The Underworld“ ist eine abstrakte, hermetisch geschlossene Struktur, eine perfekter künstlicher Organismus, der christliche Glaubens- und Erlösungsmetaphorik in eine strapazierende, ernste und emotionale Arbeit transformiert.
Für ausführliche Presseinformationen und Fotos können Sie uns telefonisch unter +49 (0) 30 280 81 10 kontaktieren.